QUOTE, KÄFIG & CO.

Von Clemens Niedenthal

Stabile Seitenlage – erfolgreiche Tiersendungen im TV
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Seit Jahren liegen die Einschaltquoten stabil zwischen fünf und zehn Prozent. Ausreißer gehen eher nach oben als nach unten.

Nach dem Talk kamen die Tiere. Und zumindest das Zoofernsehen der ARD hat seit 2005 in jeder Staffel mindestens jenen Marktanteil von zehn Prozent. Mit dieser Sehbeteiligung hatten sich die Nachmittags-Talkshows verabschiedet – die bei weitem nicht so gut zu wiederholen waren wie das neue Format.

Vor fünf Jahren, im Herbst 2005, strahlte die ARD erstmals die MDR-Serie Elefant, Tiger & Co. aus. Die Zossendung aus Leipzig wurde zum Überraschungserfolg: 1,93 Millionen Zuschauer verfolgten die 57 Sendungen. Die Quote setzte bei 15,2 Prozent ein, stieg bis 2007 sogar auf 19,1 Prozent und fiel seither in keinem Quartal unter 12 Prozent.

Interessiert sind vor allem Kinder und ältere Leute: Gerade einmal ein Fünftel der Zuschauer sind 14 bis 49 Jahre alt. Zuletzt bescherten sie Elefant, Tiger & Co. eine Sehbeteiligung von 5,8 Prozent. Ein solcher Anteil in dieser Altersgruppe ist für alle diese Tierserien typisch.

Dass die Quote bei „allen Zuschauern“ höher ist als in der „Kerngruppe“, gilt nicht für alle hier ausgewählten Serien: Wildes Wohnzimmer und Der Hundeprofi auf Vox bringen in der „Kerngruppe“ einen höheren Marktanteil als unter „allen Zuschauern“, sind also in ihrer Mischung aus Tier- und Ratgebersendung offenbar besser auf die kaufkräftigsten Jahrgänge zugeschnitten.

Unter den hier ausgewählten Serien (alle im 1. Halbjahr 2010 ausgestrahlt, dazu der MDR-Klassiker; Tierisch Kölsch repräsentativ für die anderen Tierisch-Sendungen des ZDF) funktioniert offenbar nur Panda, Gorilla & Co. aus Berlin nicht richtig. Sie verliert stetig: Mit sehr guten Werten noch vor dem Eisbär-Knut-Hype gestartet, ist sie im zweiten Quartal 2010 bei 1,1 Millionen Zuschauern und 10,1 Prozent Sehbeteiligung angekommen. In der Kerngruppe schalteten im Frühjahr nur noch durchschnittlich 180.000 Zuschauer ein, was einen Marktanteil von 4,2 Prozent brachte.

Insgesamt aber liegen die Einschaltquoten erstaunlich stabil. Im Herbst 2010 laufen gleich neun Tier-Serien in den dritten Programmen der ARD, die zudem noch mehrmals wiederholt werden, Vox schickt vier Serien ins Rennen, beim ZDF ist das unverwüstliche Tierisch-Format am Start (siehe Kasten S. 63). Wer will, kann sich daraus ein Ganztagesprogramm zusammenstellen, ergänzt vielleicht noch durch einen arte-Themenabend über Zoos in Wales und Schottland.

Damals in den Fünfziger- und Sechzigerjahren übrigens, als Fernsehsender fast noch so selten waren wie die exotischen Tiere, die Woche für Woche neben Bernhard Grzimek auf dem mattgrauen Sendeanstaltsschreibtisch saßen, hatte dessen Ein Platz für Tiere regelmäßig Einschaltquoten jenseits der 75 Prozent. So viele Follower bekommt in unserer multimedialen Epoche aber nicht einmal mehr Knut zusammen. (cn/bz)