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LIZENZ ZUM TÖTEN


Krallen, Zähne, Gift und Hörner – die Waffenkammer der Tierwelt ist vollgepackt mit den raffiniertesten Utensilien. Ob zum Angriff oder zur Verteidigung, es gibt kaum ein Tier, das sich in der Welt von Fressen und Gefressenwerden nicht ein paar Waffen, Tricks und Kniffe zurechtgelegt hat. Und im Grunde geht’s nur um eines: um‘s Überleben.

Agent 007 mag der beste Killer des britischen Geheimdienstes sein. Gegen die Killer der Natur ist er ein Waisenknabe. Sich die Evolution als Judy Dench vorzustellen, passt eigentlich ganz gut.

Die 75-jährige Engländerin spielt in den neuesten Bond-Filmen „M“, die kühle, meist in strenger Staatsräson denkende Auftraggeberin von 007. Von ihr hat der britische Topagent nicht nur die „Lizenz zum Töten“.   Sie schickt ihn auch in jedem Film hinunter zu „Q“, dem Waffen- oder Quartiermeister. Im evolutionären Sinne können wir uns „Q“ als das Zusammenspiel der Faktoren Zeit und Umwelt vorstellen. Der Film-„Q“ hat für seine Erfindungen nur die zwei, drei Jahre, die in der Regel bis zur Veröffentlichung eines neuen Bond- Streifens vergehen. Die Waffenabteilung der Evolution hatte dagegen erheblich längere Zeiträume zur Verfügung.
Die sprichwörtlichen Zähne und Klauen, in denen der berühmte Evolutionsbiologe Richard Dawkins das Symbol des darwinistischen Überlebenskampfes schlechthin sieht, gehören dabei sozusagen zur Grundausstattung. Hart und scharf sticht weich und ungeschützt, dieses grausame Prinzip gilt schon, seit in den Meeren der Urzeit die ersten Kiefertiere anfingen, nach ihren arglosen Zeitgenossen zu schnappen. Reißzähne, Krallen, Hackschnäbel, Hörner: Bei uns Menschen sind von solchen Körperwaffen nur noch Rudimente übrig, deswegen steht unten in der MI6-Zentrale ein großer Messerschrank. An den geht der wählerische Mr. Bond natürlich nur, wenn die Kamera gerade nicht läuft. Doch auch die übrigen Tiere müssen sich bei ihren „Missionen“ keineswegs allein auf schlichte Stich- und Schneidewaffen verlassen.

Der Pistolenkrebs wurde in der Waffenkammer der Natur mit dem Gegenstück zu Bonds geliebter Walther PPK ausgerüstet. Die vor allem in tropischen Riffen vorkommende Garnele, die auch Knallkrebs genannt wird, trägt an einem Arm eine stark vergrößerte Schere, aus der sie einen extrem kraftvollen Wasserstrahl schießen kann. Der Strahl entsteht durch das blitzartige Zusammenschnellen der Scherenhälften und hat so viel Power, dass der kleine Krebs in der Lage ist, damit Fische zu betäuben. Auch einen Knall und einen winzigen Blitz gibt es bei jedem Schuss, aufgrund eines komplizierten hydrophysikalischen Phänomens namens Kavitation, das der deutsche Physiker Detlef Lohse untersucht hat. Selbst Geheimdiensterfahrung kann der Pistolenkrebs schon vorweisen: Im Zweiten Weltkrieg hielt die amerikanische Marine seine Knallgeräusche für eine listige Störwaffe, mit deren Hilfe deutsche U-Boote der Entdeckung durch das gegnerischen Sonar entgehen wollten.

von Markus Bennemann

Den vollständigen Artikel finden Sie in der zweiten Ausgabe von ZOÓN.

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